Ich gebe es zu: Ich war anfangs dagegen.
Bevor unsere Kinder auf der Welt waren, hatte ich dieses Bild im Kopf: das Elternbett ist der Rückzugsort für Mama und Papa.
Und bestimmt hast du diesen Satz auch schon einmal gehört:
Kinder gehören da nicht rein, sonst gewöhnen sie sich dran und du kriegst sie nie wieder raus. Außerdem darf man sie nicht zu sehr verwöhnen. (psst: das isttotal alte Ansicht!)
Ich hab ihn gefühlt tausend Mal gehört, meistens von der älteren Generation, immer mit diesem warnenden Unterton. „Irgendwann kriegst du sie gar nicht mehr raus.“
Mein Mann war von Anfang an begeistert. Ich noch nicht.
Der Moment, der alles verändert hat
Ich erinnere mich noch gut an den Tag in der Ikea. Unsere erste Tocher war noch ein Baby, und die hatten da so eine Ausstellung aufgebaut.
Drei Einzelbetten nebeneinander, als Familienbett. Mein Mann war seit der ersten Sekunde total dabei.
Ich bin zu diesem Zeitpunkt noch verhalten gewesen.
Das Thema Familienbett war für mich damals gar nicht auf dem Schirm, und ich hab es beiseitegeschoben.
Dann haben wir der älteren irgendwann ein eigenes Bett zum Geburtstag geschenkt.
Sie hat ein, zwei, vielleicht drei Nächte darin geschlafen. Und das über einem längerem Zeitraum verteilt.
Und wisst ihr, wer das „Experiment“ dann abgebrochen hat? Mein Mann. Weil er es einfach nicht übers Herz gebracht hat, sie alleine schlafen zu lassen. Ehrlich gesagt: Ich auch nicht. Ich war froh, dass er dies so offen gesagt hat, dass er es nicht möchte, Sie alleine schlafen zu lassen.
Mehrere Monate später ist mir aufgefallen, dass Sie viel besser schläft, wenn sie bei uns liegt.
Nicht im Kinderbett direkt neben unserem Bett, sondern wirklich mittendrin. Die Nächte auf der Matratze in ihrem Bett ein paar Centimeter weiter unten? Unruhig. Die Nächte bei uns? Durchgeschlafen.
Das war so ein stiller Aha-Moment für mich.
Was steckt eigentlich dahinter?
Als ich meine Fortbildung zur Tagesmutter gemacht habe, haben wir das Thema Kinderschlaf intensiv besprochen. Eine Schlafcoachin hat uns erklärt, warum das Elternbett für viele Kinder keine schlechte Angewohnheit ist, sondern ein echtes Grundbedürfnis befriedigt.
Kinder, egal ob Kuschler oder eher die Typen, die gerne ihren eigenen Platz haben, brauchen Nähe und Sicherheit. Das sollte uns ja eigentlich allen klar sein.
Das Elternbett ist für sie der größte Safe Space überhaupt. Da, wo man sich fallen lassen kann. Und das ist eigentlich nichts Neues: Wo haben wir als Kinder am liebsten gespielt? Wo haben wir uns aufgehalten, wenn wir Angst hatten oder uns nicht gut gefühlt haben?
Na, im Bett von Mama und Papa.
Mein Mann erinnert sich noch, wie besonders es war, bei seiner Mutter schlafen zu dürfen. Sie war alleinerziehend, also war er öfter dabei, aber es war trotzdem immer etwas Besonderes. Dieses Gefühl von Geborgenheit, von „hier bin ich safe“. Das wollen wir unseren Kindern auch geben. Und ehrlich gesagt will das doch auch noch jede/r Erwachsene.
Und das Einschlafen? Viele Eltern kennen das: zwei Stunden Einschlafbegleitung, ständig aufwachen, Weinen, nochmal Wasser holen wollen, noch auf Toilette müssen. Das klingt nervig, ist es auch.
Oft steckt da aber einfach dahinter, dass das Kind diese Sicherheit sucht. Es kann sich in seinem eigenen Bett nicht fallen lassen. Der Übergang in den Schlaf klappt für viele Kinder im Elternbett einfach viel besser.
Aber das ist ein anderes Thema.
Aber mal ehrlich: Es braucht Platz
Hier kommt der Haken, und ich sag’s ganz offen: Zusammen im normalen Doppelbett schlafen mit zwei Kindern ist kein Spaß.
Fuß im Gesicht. Ellenbogen in der Rippe. Unsere Jüngste, rutscht ständig halb raus und ich muss sie die halbe Nacht festhalten, damit sie nicht rausfällt. Der Papa zieht irgendwann auf die, provisorisch eingerichtete Matratze neben unserem Bett, weil es zu eng ist und wir somit ein wenig mehr Platz haben.
Das ist nicht gerade gemütlich. Ja, manche Nächte fühlen sich an wie „Kampfschlafen“
Und genau da liegt der Unterschied zwischen „Kind/er ins Doppelbett quetschen“ und einem echten Familienbett. Es ist die fehlende Größe für einen bequemen und erholsamen Schlaf.
Wenn jeder seinen Bereich hat, seine eigene Decke, sein eigenes Kissen, seinen eigenen Platz, dann verändert sich der Kampfschlaf-Ort in eine Wohlfühloase.
Kinder, die eigentlich keine Kuschler sind, fühlen sich nicht gedrängt. Die Nacht wird ruhiger, weil niemand kämpft. Und das Aufwachen? Kein Schock mehr. Das Kind schläft ein, weiß wo es aufwacht.
Mama und Papa sind noch da, alles ist also gut.
Das Palou-Bett und warum ich davon begeistert bin
Wir haben uns gerade intensiv mit dem Palu-Bett beschäftigt, und ich muss sagen: Das hat mich wirklich überzeugt. Es ist super niedrig. Kinder können leicht rein und raus, und wenn mal jemand rausfällt, ist das jetzt ehrlich gesagt keine Katastrophe. Kein Sturz aus einem halben Meter Höhe, sondern ein sanftes Runterpurzeln. Das allein ist schon ein Argument. Denn unsere größte hat schon oft solche Stunts hingelegt.
Was ich aber wirklich cool finde: Das Material. EPP. Leicht, stabil, und man kann es selbst zusammenbauen. Keine Werkzeuge, keine komplizierte Anleitung. Man steckt die Stäbe ins Lattenrost, klemmt sie fest – fertig. Das kann wirklich jede/r machen.
Mein Mann hat sich anfangs wegen dem Material sorgen gemacht: aber alles im grünen Bereich. EPP ist als unbedenklich eingestuft und wird sogar für Lebensmittelverpackungen verwendet.
Und dann ist da noch die Farbe: Jedes Modul kann in einer anderen Farbe sein. Die größte wählt Blau, die kleinste Pink, wir nehmen vielleicht ein ruhiges Grün.
Jedes Kind hat seinen eigenen Bereich. Nicht nur „räumlich“, sondern auch farblich.
Das ist nicht nur schön, das ist sogar pädagogisch clever. Die Kinder haben Mitspracherecht. Sie dürfen mitentscheiden, wie ihr Schlafbereich aussieht. Genauso wie sie sich ihre Bettwäsche aussuchen dürfen.
Und wenn irgendwann der Zeitpunkt kommt, wo die Kinder ihr eigenes Zimmer wollen? Dann nimmt jedes Kind seine Farbe einfach mit. Das Bett wächst quasi mit und löst sich dann organisch innerhalb unserer Wohnung auf verschiedene Schlafzimmer auf.
Wann wollen Kinder eigentlich ihr eigenes Bett?
Das ist eine Frage, die wir uns auch gestellt haben. Wann ist der Zenit überschritten? Ab wann wollen Kinder ihr eigenes Reich?
Die meisten Experten sagen: Das regelt sich von selbst. Kinder haben ein natürliches Bedürfnis nach Autonomie, das mit der Zeit wächst.
Irgendwann ab dem Grundschulalter, also ungefähr ab sieben, acht Jahren fangen sie an, ihren eigenen Rückzugsort zu suchen. Das ist ein normaler Entwicklungsschritt.
Wenn die Basis stimmt, wenn das Kind sich sicher fühlt und weiß dass es jederzeit zu euch kommen kann, dann passiert der Übergang zum eigenen Bett meistens ganz natürlich.
Das ist übrigens das komplette Gegenteil von dem, was man früher gedacht hat. Nicht „Rausschmeißen, bevor sie sich zu sehr gewöhnen“ sondern: genug Nähe geben, damit sie irgendwann aus eigener Überzeugung gehen wollen.
Einschlafroutinen, die wirklich funktionieren
Was wir von Familien beobachtet haben, die schon länger ein Familienbett haben, ist beeindruckend. Die Kinder kennen ihren Platz. Da ist mein Kuscheltier, da ist meine Decke, da ist mein Kissen. Die kleine Lampe geht an, das Buch wird rausgekramt, und alle wissen: Jetzt ist Schlafenszeit.
Kein Aushandeln mehr, wer wo liegt. Kein Kissenverteilen, kein „Ich will auch ins Buch schauen“. Jeder hat seinen Bereich, jeder richtet sich ein, und wenn Mama und Papa dazukommen, ist der Rest eigentlich schon fertig.
Routinen sind Gold wert. Das weiß jede Mutter und jeder Vater. Und ein Familienbett, das wirklich groß genug ist, macht das Einhalten von Routinen so viel einfacher.
Und das Sexleben? Ja, diese Frage kommt immer.
Okay, ich spreche es an, weil alle drüber nachdenken und kaum jemand drüber redet. Ja, natürlich gibt es den Einwand: „Aber dann habt ihr ja gar keine Privatsphäre mehr als Paar.“
Ehrliche Antwort: Mit zwei kleinen Kindern hat man die sowieso nicht, stimmst du mir zu?
Das hat aber nichts mit einem Familienbett zu tun. Und wenn man kreativ ist und „Mut“ hat findet man Wege. Das Familienbett ist also kein Keuschheitsgürtel, sondern einfach ein Bett. Es gibt in einem Zuhause noch andere Räume und andere Zeiten.
Was wichtiger ist: Alle schlafen gut. Alle fühlen sich sicher. Die Kinder haben einen stabilen Start in die Nacht. Das gibt Energie. Auch für alles andere. 😉
Unser Fazit (vorerst)
Ich die anfangs dagegen war, bin jetzt diejenige, die sagt: Das ist toll. Ein richtiges Familienbett, groß genug, damit alle Platz haben und trotzdem die Nähe da ist. Weil ich gesehen habe, was es den Kindern gibt.
Weil ich verstanden habe, was hinter dem Bedürfnis steckt. Und weil ich einfach auch mal wieder richtig durchschlafen will.
Wenn ihr noch überlegt: Macht es. Nicht die halbe Lösung, sondern richtig. Mit genug Platz, mit klaren Bereichen, mit einer Routine, die alle kennen. Der Rest ergibt sich.
Und wenn euer Kind dann abends sein Kuscheltier schon unter die Decke legt, bevor ihr überhaupt im Zimmer seid, dann wisst ihr: Es klappt.